Als ich Uwe zum ersten Mal sah, spielte er Tamburin. Klopfte auf allem herum und spielte Gitarre und sang. Lautlos:

Mittendrin in einer belebten Einkaufsstrasse in Bruchsal an einem Samstag mittag im Mai.
Er war in seiner eigenen Welt. 

Ich wußte ihn nicht einzuschätzen, konnte sein Verhalten nicht recht einordnen.
Es hiess, er wäre gerade aus der Psychiatrie entlassen und hätte zuvor alleine auf der Strasse in Heidelberg gelebt und wäre irgendwann “hängengeblieben”, weil er früher zu viel chemische Drogen konsumiert hätte.

Im Lauf der Zeit erfuhr ich seine Geschichte.
Und lernte einen Mann kennen, der mich immer wieder aufs Neue beeindruckt und beschäftigt hat.
Und so erzählte er mir davon, dass er der Sohn gehörloser Eltern wäre. Er selbst ist schon sehr früh fasziniert von Musik und wird Musiker. Jedoch ist die Kluft zwischen ihm und seinen Eltern unüberbrückbar. Er schafft es nicht, ihnen seine Welt näher zu bringen...
Wenn Uwe trinkt wird er "komisch".
Er redet die ganze Zeit, nicht wirr, sondern hoch konzentriert. Dabei ist es ihm vollkommen egal, ob man ihm zuhört, oder sich parallel mit anderen unterhält.
Als wir uns das erst Mal trafen, suchte er nach Körperkontakt. Nähe.
Ich erinnere mich nicht mehr genau, von was er sprach, aber seine Wortwahl war ausgesprochen intelligent und in Hinsicht auf seine seelische Verfassung sehr aussergewöhnlich.
Er redete ununterbrochen davon, wie froh er sei, endlich Menschen gefunden zu haben, die ihn so akzeptierten, wie er war. Das er sich wohl fühlte.*
Immer wieder ging er zu einzelnen Mitgliedern der Gruppe und bedankte sich.

Uwe hat sich in 2016 das Leben genommen.

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Thorsten