Thorsten

Thorsten kenne ich seit 2014. Er lief damals gemeinsam mit Madeleine (mit der er zusammen war), dem gemeinsamen Hund Grisu und Murat, den Jakobsweg. Er ist mir als besonders zurückhaltend und ruhig in Erinnerung geblieben. Als sehr angenehme Persönlichkeit, der aber auch irgendwie nie richtig beachtet wurde.

Inzwischen hat er Madeleine geheiratet, lebt mit ihr zusammen in seinem alten Heimatdorf und die beiden haben 2 gemeinsame Kinder. Lange Zeit war der Kontakt mehr oder weniger abgebrochen. Ich persönlich kam mit der Art, wie Madeleine Familie gestaltete überhaupt nicht klar. Es war mir immer zu viel von allem: Zu viel Harmonie, zu viel Happy Life, zu viel Zuckerstreusel, denn wenn eines klar war, dann war es, dass es dieses Leben “so” nicht gab. Ich wusste, dass Thorsten trank. Viel trank. Zu viel. Ich wusste, dass das Leben ihn überforderte. Dieses Leben. Aber ich kam nicht an ihn ran, zu weit war der Weg, um mal eben vorbeizuschauen und zu fragen, wie das alles weitergehen sollte.

Und irgendwann Ende des Sommers 2025 kam dann die Nachricht reimgeflattert, dass Madeleine im Koma lag. Was da alles wie genau medizinisch im Argen lag kann ich jetzt gar nicht mehr so genau rekapitulieren. Aber es hing alles mit einer schweren Lungenentzündung und übermässigen Konsum von Alkohol zusammen. Mit der Konsequenz, dass Luge, Leber und Niere schlapp machten.

Währenddessen war Thorsten allein mit den Kindern (4 + 11 Jahre) und wusste nicht, wie alles weitergehen sollte. Er war arbeitslos, weil er wegen seiner Panikattaken nicht mehr arbeiten konnte. Immer wieder hatte er versucht, die Finger vom Alkohol zu lassen, aber es ging einfach nicht.

Was ich schliesslich sah, als ich es endlich mal geschafft hatte, ihn zu besuchen, gefiel mir gar nicht. Man merkte ihm deutlich an, wie schlecht es ihm ging und das ihm alles entglitten war. Er probierte zwar alles, um einigermassen klarzukommen, aber man spürte deutlich den Stress, dem er ausgeliefert war. Wir fuhren einige Male gemeinsam nach Mannheim ins Krankenhaus zu Madeleine, weil er selbst nicht mehr fähig war, selbst zu fahren wegen der Angst. Mich erschreckte die Situation zutiefst und ich fragte mich immer wieder: Wie muss es ihm erst gehen? Selbst als Madeleine wieder erwacht war, war sie kaum bis gar nicht ansprechbar, hatte einen Luftröhrenschnitt gesetzt bekommen, dass sie halbwegs atmen und sprechen konnte.

Insgesamt war sie von Anfang September 2025 bis Ende Februar 2026 in der Klinik. Insgesamt waren das über 20 Wochen. Wie ihr Zustand seither ist, weiss ich nicht genau.

Die Kinder werden von den Eltern von Thorsten betreut, seine Schwester hilft bei den bürokratischen Hürden. Die Wohnung bei ihr im Haus wird aufgegeben.

Seit dem 4. Dezember 2025 ist Thorsten in Therapie im Fachkrankenhaus Vielbach. Als alles nicht mehr vor und zurück ging, hat er sich selbst eingewiesen, um eine Entgiftung zu machen. Von da aus ging es dann direkt nach Vielbach, wo er sich seitdem befindet. Sie wurde bis Mitte Mai verlängert. Heute ist sein 1. Tag mit einem ADHS Medikament und dann wollen wir hoffen, dass alles irgendwann in ruhigere Bahnen gelangt.

Thorsten wird bis Mitte Mai weiterhin in Therapie bleiben.

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Uwe

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Ein Abend im Oktober 2021