Der Weg aus der Sucht

Obwohl Nina der Bilder wegen zu mir gefunden hat, hasste sie es, fotografiert zu werden. Jahrelang fotografierte ich sie, entweder verborgen durch Hände und Arme, oder eben mit Tuch vor ihrem Gesicht. Was ihr natürlich immer ein sehr verwegenes Image gab. Was sie sicher auch hatte. Sie war irgendwie immer furchtlos und ging stets dazwischen, wenn es Ärger gab. Noch bevor ich sie richtig kannte, hatte ich enormen Respekt vor ihrer Präsenz. Nina war schon immer anders, als alle, die ich bisher kennengelernt hatte, die substanzmittelabhängig waren: Sie war nie laut, unhöflich oder aggressiv, höchstens bestimmt. Sie war wahrscheinlich einfach nur ungeheuer kontrolliert. Und Kontrolle ist wahrscheinlich auch das, was sie am Ende gerettet hat aus der Sucht.

Sie kontrolliert, organisiert und ist ungeheuer strukturiert.

Als ich sie damals kennenlernte lebte sie in einer kleinen Wohnung in Bruchsal, die sie sehr liebte und - das fand ich am erstaunlichsten - immer aufgeräumt und sauber war. Aber, und das war am Schlimmsten: Es war nicht auszuhalten im Winter, denn es gab keine funktionierende Heizung. Offengestanden vermied ich es deshalb, sie im Winter zu besuchen. Und was halt einfach unvermeidlich war im Zusammenhang mit Kälte war der Schimmel.

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Pankreatitis und das Leben nach der Sucht

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Die Geschichte mit meiner Mutter